Man muss immer einen Plan haben. Wer ohne den einkaufen geht, wird am Ende mehr Geld ausgeben als eigentlich gewollt, sagt Amir Imsirovic. Der Sportdirektor bestellt seit elf Jahren mit Eintracht Wald-Michelbach das Feld in der Verbandsliga Süd.


Man muss immer einen Plan haben. Wer ohne den einkaufen geht, wird am Ende mehr Geld ausgeben als eigentlich gewollt, sagt Amir Imsirovic. Der Sportdirektor bestellt seit elf Jahren mit Eintracht Wald-Michelbach das Feld in der Verbandsliga Süd – und holt am liebsten frisches Gemüse aus dem eigenen Garten. Das Vertrauen in die jungen Spieler ist ein Erfolgsrezept des Fußball-Verbandsligisten.

Irgendwie passt es, dass der Lieblingsklub von Amir Imsirovic in der Bundesliga der SC Freiburg ist. Die Breisgauer leisten seit Jahren kontinuierliche Nachwuchsarbeit und halten sich mit – im Vergleich zur Konkurrenz – bescheidenem Etat im Oberhaus. Auch Eintracht Wald-Michelbach geht mit Imsirovic als Sportdirektor inzwischen diesen Weg. Schon lange vorbei sind die Zeiten, als die Eintracht „der FC Bayern im Odenwald“ war, der die benötigten Spieler verpflichtete und dafür nicht bei allen gerade gut gelitten war – der Erfolg bringt auch Neider mit sich.

„Bevor ich einen billigen Ausländer hole, lasse ich lieber einen 18-jährigen Deutschen spielen“, sagt der 52-jährige Bosnier, der zusammen mit dem Vorstand und den Trainern seine Philosophie sukzessive umsetzte. Und so änderten auch ein personeller Aderlass und eine Reduzierung des finanziellen Etats nichts daran, dass die ETW die Nummer eins im Odenwald und auch im Kreis Bergstraße bleibt.

20 Spieler sind unter 20 Jahre

Schon beim Trainer zeigt sich der Wald-Michelbacher Weg. Ralf Ripperger bekam 2017 als gerade mal 27-Jähriger das Vertrauen und zahlt es zurück. Der derzeitige erste Platz in der Verbandsliga ist zwar nur eine Momentaufnahme, unterstreicht aber die Weiterentwicklung der Mannschaft. „Bei einem gut ausgebildeten eigenen Jugendspieler schmeißt man das Geld nicht aus dem Fenster“, sagt Imsirovic und ist stolz darauf, dass inzwischen 20 Spieler unter 20 Jahren in beiden Mannschaften stehen. Das schaffe Identifikation. Spieler wie Torben Weber, Timo Schröder, Yannik Beisel, Luca Bauer oder Jonas Jaap stünden für die Zukunft des Vereins. Lennart Borgenheimer oder Vassilis Chatzigiannakis, die als junge Spieler geholt wurden, sind ein fester Bestandteil der Mannschaft geworden. Ebenso wie sein Sohn Etienne Imsirovic, der als 21-Jähriger bereits über 100 Spiele in der Verbandsliga absolvierte. Natürlich macht das den Vater stolz, zumal Etienne dem jungen Amir nicht nur ähnlich sieht, sondern auch auf der gleichen Position spielt.

Als 17-Jähriger unterschrieb Imsirovic bei FK Vojvodina Novi Sad einen Profivertrag und verließ seine Heimatstadt Zavidovici. Sein Vater machte es aber zur Bedingung, dass Imsirovic auch eine Ausbildung hat und so absolvierte er noch ein Studium für Wirtschaftswissenschaften. Etienne Imsirovic bekam das Talent in die Wiege gelegt und hätte auch zu einem größeren Verein wechseln können. Der Rat des Vaters: „Ich habe zu ihm gesagt, du bist gut in der Schule, und wir leben in einem guten Land. Mit einem Uni-Abschluss hast du ein sicheres Leben. Im Leistungssport brauchst du sehr viel Glück.“ Der Sohn machte im Oktober seinen Abschluss in Wirtschaftsinformatik und steht schon im Berufsleben.

Davon konnte Amir Imsirovic nur träumen, als er vor 25 Jahren nach Deutschland flüchtete. Seine Heimat war nach dem Jugoslawienkrieg zerrissen. Der Bosnier hatte gerade schwere sechs Monate in serbischer Kriegsgefangenschaft hinter sich – die Zukunft war ungewiss. Imsirovic folgte schließlich seinem besten Freund Samir Muharemovic, der bei Anatolia Birkenau und später Sportfreunde Heppenheim spielte. „Dienstags bin ich angekommen, freitags habe ich bei Eintracht Wald-Michelbach mittrainiert und montags fing ich bei Peter Bihn in der Firma an zu arbeiten“, erzählt Imsirovic. Der ETW-Vorsitzende und Sponsor war 1995 selbst noch Spielertrainer bei seinem Heimatverein. Dass die ETW zehn Jahre später einmal in der Oberliga Hessen vor 3000 Zuschauern den SV Darmstadt 98 mit Trainer Bruno Labbadia empfangen würde, hätte damals wohl keiner gedacht.

Als klassische Zehn lenkte Imsirovic bis zum Aufstieg in die Landesliga 2001 das Spiel beim Wald-Michelbacher Höhenflug. In seinem ersten halben Jahr wohnte er bei Kapitän Gerd Braun. „Ich bin sehr gut in Wald-Michelbach aufgenommen worden. Damals spielten wir noch 3-5-2 mit Peter Bihn als Libero, und vorne stürmten Jürgen Riebel und Rolf Fischer“, erinnert sich Imsirovic zurück, der schnell heimisch wurde und 1997 auch seine Frau Gudrun, die Tochter des Ehrenvorsitzenden der SG Wald-Michelbach, Gerhard Bauer, heiratete.

Er sei als Spieler zwar ein guter Techniker gewesen, doch entscheidend sind für Imsirovic Ausdauer und Fitness. „Nur wenn du in der Lage bist, 90 Minuten zu marschieren, kannst du dein Können auch zeigen“, sagt Imsirovic und lobt in diesem Zusammenhang gerade Jan Gebhardt, Daniel Sachs, Jens Bundschuh und Boubacar Siby, die als ältere Spieler den Jungen noch weglaufen.

Wer bereit sei, hart zu arbeiten und etwas zu investieren, der könne sich selbst belohnen. Bestes Beispiel ist dafür Felix Fischer, der aus der A-Liga kam und sich einen Stammplatz in der Verbandsliga eroberte. Imsirovic: „Das hätten ihm doch die wenigsten zugetraut.“ Aber der Sportdirektor versteht es auch, dass sich nicht jeder Spieler quälen könne. So verlässt Marvin Feher, der in zwei Jahren beim TSV Elmshausen 99 Tore erzielte, die ETW wieder nach einem halben Jahr. Dafür kommt mit dem Mörlenbacher Nicolas Worch das nächste Talent aus der Waldhof-Jugend zur ETW, nachdem im Sommer bereits Niklas Halblaub und Max Heckhoff wechselten.

Guten Ruf erarbeitet

„Wir sind inzwischen anerkannt. Die Spieler wollen zu uns, weil sie höherklassig spielen wollen und ihre Chance bekommen“, spricht Imsirovic über den „guten Ruf“, den man sich erarbeitet habe. „Bei uns spielen die Besten, weil wir in der besten Liga spielen. Wir wollen jedenfalls niemandem etwas wegnehmen“, sagt Imsirovic. Die Eintracht will als Teil des Jugendfördervereins Wald-Michelbach ihren Teil dazu beitragen, dass auf Dauer höherklassiger Fußball garantiert ist. „Eigene Spieler haben einen Bonus“, sagt Imsirovic. Sie dürfen Fehler machen und sollen daraus lernen – so wie der 18-jährige Tyron Darffour, der das Tor hütet.

Die A-Jugend spielt derzeit nur in der Kreisliga, nachdem man 2006 sogar in der Oberliga war. Lukas Billick aus Beerfelden schaffte es 2007 zum SV Wehen-Wiesbaden und später mit den Würzburger Kickers auch in die 2. Liga. Thomas Hallstein (heute Trainer der SG Sandbach), Marcel Reibold, Philipp Kirschenlohr oder Robin Beisel gehörten ebenfalls zur erfolgreichen Mannschaft. Imsirovic hatte 2005 im Streit um die Behandlung der eigenen Jugendspieler und die weitere Ausrichtung die ETW verlassen und zeigte in vier Jahren beim SV Hummetroth mit dem Gruppenliga-Aufstieg und dem Hessenpokalfinale gegen Darmstadt 98, dass er auch eine erste Mannschaft trainieren kann. „Wir hatten damals mit Ali Sadik, Patrik Dietrich, Miro Savanovic, Alexander Schneider und Luciano Monachello fünf U19-Spieler in der Hessenauswahl“, ärgert sich Imsirovic, dass man damals zu viele Spieler verloren habe. So etwas solle nicht noch einmal passieren.