Ergebnisse schlecht, nicht Leistungen

Odenwälder Zeitung - 27.12.2018

Die Situation ist nicht neu für Eintracht Wald-Michelbach: Wieder einmal muss der Fußball-Verbandsligist nach der Winterpause einen Rückstand wettmachen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Im Gespräch zeigt sich Trainer Ralf Ripperger zuversichtlich, dass das erneut gelingen kann. Mithelfen sollen auch neue Spieler, die der Verein noch bekannt geben will.

Herr Ripperger, wie schon in der vergangenen Saison muss Ihre Mannschaft auf dem 14. und damit einem Abstiegsplatz in der Verbandsliga Süd überwintern. Damit war zu Saisonbeginn, als die ETW Vierter und Fünfter war, nicht zu rechnen?

Ralf Ripperger: Es ist schon enttäuschend, dass wir jetzt direkt vor der Winterpause auf diesen Tabellenplatz abgerutscht sind, da brauchen wir nicht drumrumreden. Wir hatten eine sehr ordentliche Sommervorbereitung hinter uns und wussten, dass wir extrem hart werden arbeiten müssen. Der Saisonstart war dann auch total in Ordnung, aber die schlechten Ergebnisse hinten raus haben uns dann in diese Situation gebracht. Ich spreche bewusst nur von schlechten Ergebnissen, weil die Leistungen oftmals trotzdem sehr ordentlich waren. Aber es war nie so, dass wir uns sicher gefühlt haben. Dafür kennen wir diese Liga einfach schon zu gut.

Die Negativserie zum Ende des Jahres ist auf die vielen Ausfälle zurückzuführen – oder gab es auch andere Gründe?

Ripperger: Natürlich waren die Ausfälle von Boubacar Siby, Dennis Schitz, Srdjan Stojnic, Jan Gebhardt und Malcom Darffour nur schwer zu verkraften. Aber auch gerade der Ausfall von Marco Fetsch hat uns wehgetan. Auch Jonas Jaap und Torben Weber, die beide auf einem sehr guten Weg waren und dann in wichtigen Spielen nicht zur Verfügung standen, waren kleine Rückschläge. Aber wir wollten uns schon währenddessen nicht mit den Ausfällen beschäftigen, sondern mit den Spielern, die wir aufbieten konnten. Denkt man an die Spiele in Bornheim, bei Germania Ober-Roden oder auch zu Hause gegen Sandzak Frankfurt hätten wir trotz aller Ausfälle auch punkten können, vielleicht sogar müssen. Denn die Leistungen haben gestimmt, nur haben wir uns nicht mit Toren belohnt und damit den Gegner mehr unter Druck gesetzt.

Ohne die beiden Stürmer Jan Gebhardt und Malcom Darffour, die beide verletzt waren, ist die ETW nur die Hälfte wert?

Ripperger: Natürlich sind beide für uns sehr wichtige Spieler und der Ausfall hat geschmerzt. Aber es ist einfach die Aufgabe von anderen Spielern und von uns als Trainerteam, das zu kompensieren. Das haben wir nicht gut genug geschafft. Die beiden sind erfahrene Spieler und auch bekannt in der Liga. Aber umgekehrt kennen die beiden die Liga gut. Von daher wissen beide, was auf uns zukommt und dass sie sich in der Rückrunde besonders beweisen müssen. Es sind ja beides keine jungen Talente mehr, sondern in unserer Mannschaft Führungsspieler. Diese Verantwortung werden sie übernehmen und vorausgehen müssen.

Der zurückgekehrte Torwart Tim Wiegand hat so manchen Punkt festgehalten?

Ripperger: Tim Wiegand hat durchaus eine gute Hinrunde gespielt. Das war natürlich dann auch ein Stück weit die Erwartung, wenn man einen Keeper aus der Oberliga verpflichtet. Wir haben aber auch viel über sein Spiel gesprochen und sehen auch da weiterhin großes Entwicklungspotenzial. Marcel Jährling, der im Jahr zuvor eine ebenso gute Saison gespielt hat, wird in der Rückrunde noch mal voll angreifen und dann auch hier eine für uns bessere Situation schaffen.

Was waren die besten Spiele und umgekehrt, wo hat Ihre Mannschaft enttäuscht?

Ripperger: Der Saisonauftakt mit dem 5:2-Heimsieg gegen Germania Ober-Roden war natürlich emotional ein toller Sieg. Der 4:0-Sieg bei Sandzak war eine leidenschaftliche Leistung. Aber das 1:0 in Erlensee war für mich die beste Leistung der Mannschaft in dieser Saison. Wir haben total kompakt agiert und gegen einen guten Gegner immer wieder Druck aufgebaut.

Ihre Mannschaft konnte oft mithalten und war trotz des erneuten Schnitts zu Saisonbeginn nicht chancenlos?

Ripperger: Natürlich hatten wir vor der Saison einen erneuten Umbruch und haben auch viele neue Spieler in die Mannschaft eingebaut. Dass wir nicht chancenlos sein werden, das war mir schon nach den ersten Wochen der Vorbereitung bewusst. Wir hatten ein Trainingswochenende, an dem ich schon mal dachte: „Wow, da ist Potenzial da!“ Natürlich lief nicht alles reibungslos, und auch Dinge wie die Ortsmeisterschaft, bei der wir nicht überzeugt haben, waren nicht optimal, aber der Fokus lag von Anfang an auf dem Saisonstart. Wir haben bis zu dieser heftigen Verletzungsmisere, die ich so noch nicht erlebt hatte, sehr regelmäßig gepunktet. Und da müssen wir wieder hinkommen.

Die alte Heimstärke lässt die ETW in dieser Saison vermissen. In elf Spielen wurden nur elf Punkte geholt. Auswärts gab es dagegen in neun Spielen ebenfalls elf Punkte?

Ripperger: Das stimmt, das war für uns sehr enttäuschend. Das ist definitiv einer der Punkte, den wir im neuen Jahr wieder zurechtbiegen wollen. Es muss für jeden Gegner unangenehm sein, nach Wald-Michelbach zu kommen. Davon waren wir in diesem Halbjahr leider weit weg.

Was stimmt Sie zuversichtlich, dass die Aufholjagd wieder mit dem Klassenerhalt endet?

Ripperger: Es stimmt mich zuversichtlich, dass wir aller Voraussicht nach mit dem kompletten Kader in die Vorbereitung gehen können und dann wirklich Gas geben werden. Die Mannschaft hat auch in der schweren Zeit mit sehr viel Herz gespielt. Wir werden jetzt die Vorbereitung nutzen, um als Team noch einmal etwas enger zusammenrücken werden. Jeder ist wahnsinnig wichtig und jeder muss Verantwortung übernehmen. Verantwortung für sich selbst und für die Mannschaft. Da bin ich überzeugt, dass der Charakter der Mannschaft total stimmt.

Bleiben Sie auch in der neuen Saison Trainer oder gibt es schon eine Tendenz?

Ripperger: Bei mir persönlich gilt eigentlich das Gleiche wie für jeden anderen aus dem Team auch. Wir haben eine harte Aufgabe vor uns und sollten uns zum jetzigen Zeitpunkt weniger Gedanken über uns selbst machen. In erster Linie geht es immer nur um den Verein. Es ist bekannt, dass es mir Spaß macht, für den Verein zu arbeiten und ich gerne weiter den Weg zusammen gehen würde. Ich bin dem Verein sehr dankbar, dass er mir vor eineinhalb Jahren diese Chance gegeben hat. Aber alles weitere wird der Verein entscheiden müssen. Am Ende zählen Ergebnisse, an diesen wird man im Fußball oder im Sport allgemein gemessen. 

beg