Immer Gut für eine Überraschung

Odenwälder Zeitung - 15.01.2019

Am 12. September fuhr Eintracht Wald-Michelbach II in der Fußball-Kreisoberliga zum Spitzenspiel Erster gegen Zweiter zur FSG Riedrode. Schon damals war Trainer Sascha Amend klar, dass das nur eine Momentaufnahme sein würde. Seine junge Mannschaft führte mit 1:0, hatte Chancen auf das 2:0, verlor aber am Ende gegen den abgezockten Tabellenführer mit 1:3.

Auf Dauer konnten sich die Überwälder nicht zuletzt aufgrund der vielen Ausfälle an der Tabellenspitze halten. Platz acht zur Winterpause stellt die Verantwortlichen aber angesichts der Umstände zufrieden, immerhin musste vor der Saison wieder eine neue Mannschaft formiert werden, die viele für einen Abstiegskandidaten hielten. Davon ist die ETW-Reserve zwar nicht meilenweit, aber noch weit genug entfernt. „Wir hatten Höhen und Tiefen“, sagte Sascha Amend, der aber auch weiß, dass durch die schlechte Ausbeute in den letzten acht Spielen vor der Winterpause der Klassenerhalt angesichts von nur sieben Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz noch lange nicht gesichert ist.

Der ETW gelangen in diesem Zeitraum nur ein Sieg – der immerhin mit 2:1 zu Hause gegen die FSG Riedrode – und ein Unentschieden in Hofheim bei sechs Niederlagen. Auch das letzte Spiel bei Anatolia Birkenau wurde 0:2 verloren. „Das haben wir uns jetzt selbst zuzuschreiben“, sagte Amend und will mit einem kompletten Kader nach der Winterpause frühzeitig die Punkte gegen den Abstieg sammeln, um nicht eine Zitterpartie zu erleben.

Gemeinsames Training

Nach einer guten Vorbereitung im Sommer habe man schon in den Testspielen gesehen, dass die Mannschaft einiges an Potenzial habe. Die Eintracht veränderte das Training, sodass die Reserve nun zeitgleich zur Verbandsligamannschaft auf dem Platz steht, manchmal wird auch gemeinsam geübt.

„Es galt zahlreiche Neuzugänge zu integrieren. Das ist uns gut gelungen. Der Zusammenhalt war noch nie so gut wie in dieser Saison, das macht sich auch im Vereinsleben bemerkbar“, meinte Amend, der selbst viele Jahre das ETW-Trikot trug. Die Aussicht auf einen Platz in der ersten Mannschaft sporne die Spieler an. Und tatsächlich kamen Jonas Jaap, Frank Hirschhausen, Maximilian Gärtner oder Torben Weber auch oben zu ihren Einsätzen. Das Verletzungspech bei der ersten Mannschaft schlug sich allerdings dann auch auf die Zweite nieder, die ihrerseits Ausfälle zu beklagen hatte. Insgesamt 31 Spieler setzte Amend ein, dabei mussten auch er selbst und „Oldie“ Stefan Trautmann noch einmal auflaufen, um überhaupt eine Mannschaft stellen zu können.

Zwei Spitzenteams besiegt

Keine Frage, die ETW II ging auf dem Zahnfleisch. Dass seine Mannschaft in dieser Situation mit dem Sieg gegen Tabellenführer FSG Riedrode für eine faustdicke Überraschung sorgen konnte, nimmt Amend als Maßstab: „Da hat man gesehen, was möglich ist, wenn man als Mannschaft auf dem Platz steht.“

Mit 2:0 gegen den VfR Bürstadt bezwang die Eintracht auch den zweiten Aufstiegsanwärter und holte mit dem letzten Aufgebot drei Punkte in Auerbach. Gleich das erste Saisonspiel war mit dem 4:2 gegen die hoch gehandelte SG Wald-Michelbach ein Ausrufezeichen. „Da haben wir viele überrascht“, meinte Amend, der das selbst gar nicht einmal so war: „Meine Jungs sind wirklich gut. Die jungen Spieler haben Riesentalent. Aber Talent allein reicht nun einmal nicht. Jeder muss sich im Training weiterentwickeln und an seinen Schwächen arbeiten.“ Enttäuscht war der Trainer von den Spielen gegen Birkenau, in Lampertheim und zu Hause beim 1:3 auch gegen TV Lorsch. „Da haben wir nicht genug für den Erfolg getan“, monierte Amend. Zudem ärgern den Trainer die Niederlagen in der Nachspielzeit gegen die SG Wald-Michelbach und Groß-Rohrheim: „Wir haben zu viele Gegentore durch leichtfertige Fehler bekommen, daran müssen wir arbeiten.“

Bereits gestern begann das Training, weil die Verbandsliga früher startet, zieht die Zweite mit. Alle Spieler könnten sich in der Vorbereitung wieder bei Cheftrainer Ralf Ripperger aufdrängen. Ob allerdings Frank Hirschhausen (Aduktorenverletzung), Yannic Beisel (Innenbandzerrung) und Baris Saci (Sehnenentzündung) schon wieder dabei sind, ist fraglich.

Albert kommt vom FC Hirschhorn

Neu dagegen ist Steffen Albert vom FC Hirschhorn. Dem 26-jährigen Mittelfeldspieler bescheinigt Amend viel Potenzial. Weitere Spieler könnten noch verpflichtet werden. Als Abgang wird Leon Hintenlang geführt. Gespräche über die Zukunft des Trainers wurden noch nicht geführt. „Das lassen wir auf uns zukommen und geht eigentlich immer schnell“, sagte Amend, der sich im zweiten Jahr als Coach sehr wohl fühlt und jegliche Unterstützung bei seiner Arbeit bekomme: „Aber eines ist klar, der Erfolg muss auch schon da sein.“ 

beg