Für Spieler ein Sprungbrett

 - Bericht aus der Odenwälder Zeitung -

Wald-Michelbach. Wenn es ein Verein schafft, immer wieder junge Spieler aufzubauen und für die Fußball-Verbandsliga zu formen, dann spricht sich das herum. Eintracht Wald-Michelbach hat gut gearbeitet und nicht zuletzt durch die aufgezeigten Perspektiven kamen wieder sieben hoffnungsvolle Neuzugänge in den Überwald. „Baumeister“ Ralf Ripperger (30) muss mit seinem Team nun beweisen, dass er die Mannschaft auch im vierten Jahr weiterentwickeln kann. Heute (20 Uhr) steht dabei das erste Pflichtspiel nach langer Pause an, wenn die ETW im Kreispokal-Halbfinale bei Starkenburgia Heppenheim antritt. Auch darüber sprachen wir mit Trainer Ripperger.

Herr Ripperger, nach zweimal Platz elf war Eintracht Wald-Michelbach bis zum Corona-Abbruch wieder in Sichtweite der Spitze. Wie ist der vierte Platz mit Blick auf die neue Saison einzuordnen?

Ralf Ripperger: In der neuen Saison bringt uns der vierte Platz aus der vergangenen Runde leider nichts mehr. Wir haben insgesamt in der vergangenen Saison aus meiner Sicht viel von dem erreicht, was wir uns vorgenommen hatten. Auch wenn definitiv noch einige Punkte mehr drin gewesen wären. Aber in der Gesamtentwicklung haben wir es auch in der für uns alle irgendwie unvollendeten Saison wieder geschafft, junge Spieler einzubauen und zu Stammspielern zu formen, die noch jede Menge großes Entwicklungspotenzial mitbringen. Von daher glaube ich, können wir im Großen und Ganzen zufrieden sein mit dem, was war – die Zukunft geht ja aber schon jetzt weiter, und auch da haben wir wieder viel vor.

Das Gesicht der Mannschaft hat sich durch einige Abgänge wieder einmal verändert?

Ripperger: Ja, das Gesicht hat sich ein wenig verändert – ist aber alles in allem noch genauso hübsch (lacht). Natürlich haben wir mit Malcom Darffour, Marco Fetsch und Johannes Günther neben Tim Wiegand als Torwart auch erfahrene Feldspieler abgegeben, aber erneut extrem entwicklungsfähige Spieler zu unserem ohnehin vorhandenen Potenzial dazugewonnen. Von daher ist es natürlich etwas anderes, aber der Stamm der Mannschaft bleibt ja zusammen. Gewisse Wechsel und Veränderungen gehören zum Fußball immer dazu und können manchmal andere Spieler in den Vordergrund bringen, die bisher ein wenig hinten anstehen mussten.

Wer ist nach Tim Wiegands Abgang die neue Nummer eins?

Ripperger: Wir hatten mit Tyron Darffour bereits einen talentierten Keeper im Kader und haben uns mit Lukas Jakob vom VfB Gartenstadt mit einem weiteren guten Keeper verstärkt. Außerdem haben wir mit Joy Zinela, der körperlich in einer ganz anderen Verfassung ist als bisher, einen weiteren tollen Keeper im Team. Somit sind wir definitiv gut aufgestellt und haben uns deshalb auch noch nicht auf eine Nummer eins festgelegt.

Wer ersetzt Malcom Darffour im Sturm?

Ripperger: Ich denke, es geht gar nicht so sehr darum, einen Spieler 1:1 zu ersetzen. Ähnlich wie beim Torwart wird auch der Stürmer oder der ganze Spielansatz ein wenig verändert, und auch für diese Position haben wir mehrere verschiedene Spielertypen im Kader. Von daher gibt es auch hier nicht den einen Spieler, der ihn ersetzen wird, sondern wir werden es als Mannschaft ausgleichen – und da bin ich überzeugt, dass wir die Möglichkeit dazu haben.

Mit Marvin Feher verpflichtete die ETW einen Stürmer, der in der C- und B-Liga in den vergangenen zwei Jahren 99 Tore für den TSV Elmshausen erzielte. Ist der 20-Jährige schon so weit für die Verbandsliga?

Ripperger: Marvin bringt relativ viel mit, was ihn zu einem guten Offensivspieler macht. Trotzdem ist die Umstellung auf die Verbandsliga natürlich groß. Das merkt man manchmal noch in kleinen Entscheidungen, aber das ist vollkommen normal, und diese Zeit bekommt er natürlich auch von uns. Er hat im Testspiel gegen Fortuna Heddesheim auf der Außenbahn eine ordentliche Leistung gezeigt, kann aber genauso auf den anderen Offensivpositionen spielen. Ob er bereit ist, wird man dann endgültig in den Spielen sehen. Testspiele oder Trainingseinheiten sind einfach noch mal was anderes.

Auch von den anderen Neuzugängen hat noch keiner in der Verbandsliga gespielt – ist das ein Problem?

Ripperger: Als Problem sehe ich das überhaupt nicht. Ich bin zufrieden mit unseren Neuzugängen. Es ist ja auch unsere Philosophie geworden, genau mit solchen Spielern zu arbeiten und diesen die Möglichkeit zu geben. Auch in der letzten Saison haben insgesamt sieben Spieler aus unserem Kader ihr Debüt in der Verbandsliga gegeben. Lennart Borgenheimer oder Vassilis Chatzigiannakis waren beispielsweise am Ende absolute Stammspieler und haben fast kein Spiel verpasst. Ich bin davon überzeugt, dass jeder unserer Neuzugänge das Zeug hat, in der Verbandsliga zu spielen. Sonst hätte es für uns und die Spieler ja keinen Sinn ergeben, zusammenzuarbeiten. Vielleicht wird es bei dem einen etwas länger dauern als bei dem anderen, aber das Vertrauen ist definitiv in alle Jungs da. Auch in den Testspielen haben sie ordentliche Leistungen und ihre Fähigkeiten gezeigt.

Was war in der Vorbereitung gut und was hat Ihnen nicht gefallen?

Ripperger: Gefallen hat mir definitiv, dass die Jungs von Beginn an versucht haben, alles, woran wir in den Trainingseinheiten oder Testspielen gearbeitet haben, aufzusaugen und umzusetzen. Ich habe den Eindruck, dass noch nicht immer die hundertprozentige Gier da ist, auch immer erfolgreich zu sein. Diese Entschlossenheit müssen wir jetzt haben, wenn es wieder um etwas geht. Und im Pokal geht es natürlich gleich um alles.

Genau, Starkenburgia Heppenheim, ihr Gegner im heutigen Kreispokal-Halbfinale, hat die SG Unter-Abtsteinach mit 1:0 aus dem Wettbewerb geworfen – wie groß ist der Respekt vor dem Kreisoberligisten?

Ripperger: Dass sie damals die SGU in einer eigentlich relativ guten Phase der Unter-Abtsteinacher aus dem Pokal geworfen haben, zeigt generell, dass man niemanden unterschätzen darf. Erst recht nicht in einem Pokal-Halbfinale. Allerdings ist das Spiel im Speziellen jetzt schon sechs Monate her und somit im direkten Zusammenhang nicht mehr wirklich aussagekräftig. Grundsätzlich sollte man vor jeder Aufgabe Respekt haben – aber noch viel mehr Vorfreude. Und mit der werden wir auch wieder in das erste Pflichtspiel nach so langer Zeit gehen.

Nach dem Saisonauftakt beim FFV Sportfreunde Frankfurt hat die ETW mit JSK Rodgau und SC 1960 Hanau zwei Heimspiele in Folge – da wäre es an der Zeit, zu Hause wieder zu alter Stärke zu finden?

Ripperger: Das stimmt, das Anfangsprogramm wird uns gleich viel abverlangen. Die Heimstärke, die die ETW oft in der Vergangenheit ausgezeichnet hat, wäre dabei natürlich extrem hilfreich. Wir haben in der vergangenen Saison leider zu Hause einige Punkte unnötig liegengelassen, aber auch tolle Siege gefeiert wie das 4:0 gegen RW Darmstadt oder den Hanauer SC. Aber insgesamt geht es da in allen Bereichen noch besser, wobei unser Punkteschnitt zu Hause bereits in der vergangenen Saison besser war als auswärts. beg